Donnerstag, 17. Mai 2012

die welt gehört doch nicht den spekulanten, den großkonzernen & den banken - christoph holzhöfer

Mittwoch, 9. Mai 2012

Maskenball

Falderwald


Glaube, Seele, freier Wille,
alle Götzen falscher Macht,
hat der Mensch sich in der Stille
des Bewusstseins ausgedacht.

Freude, Trauer, Angst und Liebe
geben dem Gefühl Figur,
kraftvoll streben jene Triebe
aus dem Schoße der Natur.

Rache, Kämpfe, Hass und Kriege
sind des Menschen Todeskuss,
Toleranz allein bringt Siege,
was der Mensch noch lernen muss.

Bilder, Worte, Reime, Töne
fließen aus der Lebenskunst.
Einer nur besitzt das Schöne:
Mensch, o nutze deine Gunst!


http://www.gedichte-eiland.de

Samstag, 5. Mai 2012

ANARCHIE

John Henry Mackay


Immer geschmäht, verflucht - verstanden nie
Bist du das Schreckbild dieser Zeit geworden...
Auflösung aller Ordnung, rufen sie,
Seist du und Kampf und nimmerendend Morden.


Oh lass sie schrein! - Ihnen, die nie begehrt,
Die Wahrheit hinter einem Wort zu finden,
ist auch des Wortes rechter Sinn verwehrt.
Sie werden Blinde bleiben unter Blinden.


Du aber, Wort, so klar, so stark, so rein,
Das Alles sagt, wonach ich ruhlos trachte,
Ich gebe dich der Zukunft! - Sie ist dein.
Wenn Jeder endlich zu sich selbst erwachte.


Kommt sie im Sonnenblick? - Im Sturmgebrüll?-
Ich weiß es nicht... doch sie erscheint auf Erden!
-„Ich bin ein Anarchist!" - „Warum?" - „Ich will
Nicht herrschen, aber auch beherrscht nicht werden!"




Quelle: http://deu.anarchopedia.org/John_Henry_Mackay/Anarchie

Bonzen-Blues

Erich Mühsam


Sei dankbar, Volk, den Edlen die dich leiten,
der Obrigkeit, die stets dein Heil bedenkt.
Willst du dir selber dein Geschick bereiten,
bald wär die Karre in den Sumpf gelenkt.
Was weißt denn du, was für dein Wohlsein nötig ist?
Das Volk gehorche, weil es brägenklötig ist.
Der höhern Einsicht füge dich beizeiten,
und frag nicht lang, warum der Staat dich hängt.

Vertraue, Volk, den Bonzen der Parteien,
geborgen ist dein Glück in ihrem Schoß.
Wenn du sie wählst, wolln alle dich befreien,
wenn sie gewählt sind, melken sie dich bloß.
Stell dir doch vor, wenn niemand dich regieren soll,
wovon dein Bonze dann noch existieren soll.
Der ganze Landtag müßt vor Hunger schreien.
Selbst die Abortfrau wäre arbeitslos.

Sie haben nichts im Kopf als Paragraphen.
Die Bonzen sind, o Volk, die Jungs im Skat,
verhängen Steuern über dich und Strafen,
und wenn du aufmuckst, dann ist's Hochverrat.
Sie merken nie, wenn alles auf der Kippe steht,
sie merken immer, wo noch eine Krippe steht,
doch du, o Volk, du kannst geruhsam schlafen.
Die Bonzen wachen ja, es wacht der Staat.



Quelle: http://www.anarchismus.at

Freitag, 27. April 2012

Der Bundestag

Harro Harring


In Frankfurt, da sitzt der deutsche Bund
Und macht Verbote auf Verbote kund!

Das wird dem deutschen Bund recht schwer –
Denn er findet gar wenig zu verbieten mehr.

Drum stöbert er emsig in jedem Mist,
Wenn nur irgend was drin zu verbieten ist.

Und nächstens wird er mächtig schrei’n:
Es darf in den Straßen kein Pflaster sein!

Denn so lang’ das Volk auf’m Pflaster geht;
Eine Waff’ ihm noch zu Gebote steht.

Ein gefährlich’ Ding; - so’n Pflasterstein!
Drum muß das Pflaster verboten sein!

Der Bundestag fürchtet sich sehr vor’m Tod,
Drum arbeitet er – an dem Pflaster-Verbot.


Quelle: http://gedichte.xbib.de

Samstag, 24. März 2012

Immer feste druff!

Karl Kraus


Sie sahen nur das, was nicht geschehn,
und hörten nur das, was ihnen frommt.
Ich hab' schon am Anfang das Ende gesehn
und wußte, was nach dem Ende kommt.

Dies Volk, genährt mit Weltenhasse,
des Wahnes entbunden, der Lüge bloß,
sie stürzen mit Messern hinaus auf die Gasse
und gehn dort aufeinander los.

Und sollt' ich nun in die Zukunft schauen,
so würde der Horizont mir zu eng.
Denn wieder seh' ich das alte Grauen
und höre das alte Schnedderedeng.

Sie werden die Welt gegebenen Falles
verwandeln ins unentbehrliche Feld.
Denn dieses geht Deutschland doch über alles,
über alles doch in der Welt.


Quelle: http://gedichte.xbib.de

Samstag, 10. März 2012

Dem Kampf entgegen

Clara Müller-Jahnke



So schlaf in Frieden, armes Lamm . . .
Laß einsam mich auf steinigen Wegen
im Straßenstaube fürbaß ziehn
des Tages großem Kampf entgegen.

Es geht ein Brausen durch die Luft
wie eines starken Sturmes Wehen:
Aus Trümmern tausendjährigen Wahns
will eine neue Welt erstehen.

Des Wertes Wage schwankt nicht mehr,
schon neigt sich tief die goldene Schale -
des neuen Glaubens Märtyrer
empfingen ihre Wundenmale.

In deinem Tempel knieen sie,
von Schmerz durchloht und edlem Grimme,
du dreimal heilige Natur,
und hören der Verheißung Stimme:

»Raum hat die Erde allerwärts,
der Himmel Luft für Millionen -
der Aermste soll auf eigenem Grund
im Schatten seines Daches wohnen!

Und trinken soll mit vollem Zug,
wer nach dem Born der Wahrheit dürstet, -
und wem der Geist die Krone reicht,
die göttliche, der sei gefürstet!

Fortan soll keine Mutter mehr
ihr Kind in tausendfachen Schmerzen
verleugnen müssen, das sie trägt
in heiligster Liebe unterm Herzen.

Das reine Antlitz der Natur,
wer wagt, mit Schmach es zu bewerfen? -
Das Schwert der siegenden Vernunft,
zum letzten Kampfe sollt ihr's schärfen! -«

Und glühend stürmen sie zum Streit,
laut gellend schreit die Schlachttrompete, -
hoch über ihren Häuptern flammt
des neuen Tages Morgenröte.

Aus Ketten schmieden sie den Stahl,
von Herzblut rot die Banner wehen . . .
Mich aber laßt mit nackter Brust
in ihren ersten Reihen stehen!



Quelle: http://gedichte.xbib.de

Freitag, 2. März 2012

Von wegen Ehrensold

Falderwald


Ein seltsames Moralgespinst
schwebt über dieser Republik,
charakterlos und schäbig grinst
es aus der Bundeswurstfabrik.

Da schuftet Mutti vierzig Jahre
für kleine Rente sich fast tot
und schafft es bis zur letzten Bahre
mal eben so mit Müh und Not.
Bei Bonzen, Schlipsen und Bebrillten
bekommt jedoch ein Lügenbold,
den Staatsanwälte schließlich killten,
für seine Taten Ehrensold.

Zweihunderttausend Euroehren,
pro Jahr, versteht sich, selbstverständlich.
O Herz, was willst du mehr begehren,
die "Kumpels" zeigen sich erkenntlich.
Zwar haben Bürger keine Rechte
bei Bundespräsidentenwahlen,
doch müssen sie als Steuerknechte
auch die Versager ausbezahlen.

Herr Wulff ist endlich abgetreten,
doch wäre er ein Ehrenmann,
so hätte er sich das verbeten
und nähm den Ehrensold nicht an.
Denn Ehre muss man sich erwerben,
das ist das oberste Gebot,
doch jede Würde scheint zu sterben
in Aussicht auf ein Gnadenbrot.


Quelle: http://www.gedichte-eiland.de

Mittwoch, 29. Februar 2012

Der Schrei

Gustav Sack


Aus dieser steingewordenen Not,
aus dieser Wut nach Brunst und Brot,

aus dieser lauten Totenstadt,
die sich mir aufgelagert hat

härter als Erz, schwerer als Blei,
steigt meine Sehnsucht wie ein Schrei

quellend empor nach Meeren und Weiten
und ungeheuren Einsamkeiten,

aus all dem Staub und Schmutz und Gewimmel
nach einem grenzenlosen Himmel.


Quelle: http://gedichte.xbib.de

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